Ecole Pour Tous – Projekt „Zara Riftra“ in Tamatave
Erfahrungsbericht von Erwin Schmid, Oberstufenlehrer / Schweiz
Nach 30-jähriger Tätigkeit als Oberstufenlehrer gönnte ich mir ein 2 monatiges Sabbatical (berufliche Auszeit), um Madagaskar, die „Rote Insel“, zu bereisen. Ziel war, auch Einblick in
Entwicklungsprojekte vor Ort zu erhalten. Im Internet lernte ich das Projekt „Tampina“ von Klaus „Nick“ Blume kennen und nahm mit ihm Kontakt auf. Am 12. November 2011 traf ich ihn, den Gründer der
EPT-Projekte, zum ersten Mal persönlich. Überaus erstaunt war ich, dass er mich in perfektem Schweizerdeutsch ansprach, zurückzuführen auf seine Aufenthaltsjahre in St. Gallen, wo er in den
60er-Jahren eine Lehre als Coiffeur absolviert hatte. 2 Tage später durfte ich dann sein neues Schulprojekt „Zara Riftra“ besuchen, das er im Sommer 2011 gestartet hatte. Nachfolgend beschreibe ich
meine persönlichen Eindrücke von diesem Besuch.
Die Schule befindet sich in einem Aussenbezirk der Hafenstadt Tamatave. Jeden Morgen kommen ca. 170 Schüler zur Schulhausbaracke, die aus 2 kleinen Klassenzimmern besteht. Am Morgen werden die
jüngeren Schüler unterrichtet und am Nachmittag die älteren. Viele der jüngeren Schüler erscheinen bereits um 06.00 h mit leerem Magen, obwohl die Schule erst um 07.00 h beginnt. Sie warten geduldig,
bis die Lehrpersonen erscheinen und stellen sich in Kolonnen auf, bevor sie das Schulzimmer betreten. Sehr interessiert und motiviert nahmen sie am Unterricht teil.
Auffallend waren für mich sofort zwei Dinge: die fehlenden Schulbücher und das fehlende Wasser! Die Lehrpersonen unterrichten sehr engagiert und versuchen, das Beste aus den misslichen Umständen
herauszuholen. Dadurch, dass kein Wasser zum Putzen der Wandtafeln vorhanden ist, werden sie trocken gereinigt und sind demzufolge dick mit Kreidestaub belegt, was bewirkt, dass man Geschriebenes auf
der Tafel kaum lesen kann.
Ein Brunnen für die Versorgung mit Wasser ist erstellt, doch fehlt die Pumpe dazu. Diese wäre vorhanden, kann aber nicht montiert werden, solange das Schulgelände nicht umzäunt ist. In Madagaskar
wird nämlich alles, das nicht niet und nagelfest ist, gestohlen. Man müsste damit rechnen, dass die Pumpe innert Kürze demontiert wird und verschwindet.
Sehr wichtig wäre, das Schulgelände so schnell wie möglich einzuzäunen, damit die Pumpe montiert werden kann. Auch ist es nötig, für so viele Schüler umgehend ein zweites Schulgebäude wie geplant zu
erstellen. Die unentgeltliche Abgabe von Schulbüchern und Schulmaterial müsste in einem weiteren Schritt geplant werden. Als dringend erachte ich auch die Abgabe einer Reismahlzeit am Mittag für alle
Schüler, damit sie wenigstens einmal pro Tag eine ausreichende, warme Mahlzeit zu sich nehmen können. Unter Mitwirkung der Eltern, sprich Mütter, könnte sicher eine gut funktionierende Schulküche
organisiert werden.
Ich bewundere die engagierte Arbeit von Klaus „Nick“ Blume und seinem EPT-Team und hoffe, dass mein Erfahrungsbericht mithilft, neue Sponsoren zu finden, damit immer mehr Kinder armer Eltern in
Tamatave die Möglichkeit eines Schulbesuches erhalten. Nur Bildung macht es möglich, dass sie später ein erfolgversprechendes, glückliches Leben führen können. Es gibt zu viele Kinder in Madagaskar,
die zum Überleben stehlen und betteln müssen. Helfen wir also mit, dass die erschreckende Zahl von 80 % Kindern, die keine Schule besuchen können, stetig weniger wird, auch wenn „Zara Riftra“ auf den
ersten Blick nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist.
Arbeiten, die möglichst schnell in Angriff genommen werden sollten:
wie: Einzäunung des Schulgeländes - Stromversorgung mit Sonnenkollektoren- Fertigstellung der Wasserpumpe - Material für Fussball- und Basketballspiel- Bau eines zweiten Schulgebäudes - 1 Musikanlage
mit CD-Player pro Zimmer- Abgabe von Schulbüchern und –material - 1 PC mit Monitor pro Zimmer. Die Geräte müssen nicht neu sein. Bei uns wird ja so viel weggeschmissen, das noch einwandfrei
funktioniert, da uns die Werbung vorgaukelt, nur das neueste Gerät sei gut genug.
- Schulküche mit Essensabgabe
Ich wünsche allen Beteiligten an diesem Projekt und vor allem dir, Nick, viel Erfolg und Ausdauer bei eurer gemeinnützigen Arbeit zum Wohle der ärmsten Bevölkerungsschicht Madagaskars. Bringen wir
mit unserem Einsatz und unseren Spenden die Augen der Kinder wieder zum Leuchten.
Erwin Schmid, im Januar 2012
erwinschmid@bluewin.ch
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Kommentare: 3
Erwin (Samstag, 21 Januar 2012 13:19)
Ecole Pour Tous – Projekt „Zara Riftra“ in Tamatave
Erfahrungsbericht von Erwin Schmid, Oberstufenlehrer / Schweiz
Nach 30-jähriger Tätigkeit als Oberstufenlehrer gönnte ich mir ein 2 monatiges Sabbatical (berufliche Auszeit), um Madagaskar, die „Rote Insel“, zu bereisen. Ziel war, auch Einblick in Entwicklungsprojekte vor Ort zu erhalten. Im Internet lernte ich das Projekt „Tampina“ von Klaus „Nick“ Blume kennen und nahm mit ihm Kontakt auf. Am 12. November 2011 traf ich ihn, den Gründer der EPT-Projekte, zum ersten Mal persönlich. Überaus erstaunt war ich, dass er mich in perfektem Schweizerdeutsch ansprach, zurückzuführen auf seine Aufenthaltsjahre in St. Gallen, wo er in den 60er-Jahren eine Lehre als Coiffeur absolviert hatte. 2 Tage später durfte ich dann sein neues Schulprojekt „Zara Riftra“ besuchen, das er im Sommer 2011 gestartet hatte. Nachfolgend beschreibe ich meine persönlichen Eindrücke von diesem Besuch.
Die Schule befindet sich in einem Aussenbezirk der Hafenstadt Tamatave. Jeden Morgen kommen ca. 170 Schüler zur Schulhausbaracke, die aus 2 kleinen Klassenzimmern besteht. Am Morgen werden die jüngeren Schüler unterrichtet und am Nachmittag die älteren. Viele der jüngeren Schüler erscheinen bereits um 06.00 h mit leerem Magen, obwohl die Schule erst um 07.00 h beginnt. Sie warten geduldig, bis die Lehrpersonen erscheinen und stellen sich in Kolonnen auf, bevor sie das Schulzimmer betreten. Sehr interessiert und motiviert nahmen sie am Unterricht teil.
Auffallend waren für mich sofort zwei Dinge: die fehlenden Schulbücher und das fehlende Wasser! Die Lehrpersonen unterrichten sehr engagiert und versuchen, das Beste aus den misslichen Umständen herauszuholen. Dadurch, dass kein Wasser zum Putzen der Wandtafeln vorhanden ist, werden sie trocken gereinigt und sind demzufolge dick mit Kreidestaub belegt, was bewirkt, dass man Geschriebenes auf der Tafel kaum lesen kann.
Ein Brunnen für die Versorgung mit Wasser ist erstellt, doch fehlt die Pumpe dazu. Diese wäre vorhanden, kann aber nicht montiert werden, solange das Schulgelände nicht umzäunt ist. In Madagaskar wird nämlich alles, das nicht niet und nagelfest ist, gestohlen. Man müsste damit rechnen, dass die Pumpe innert Kürze demontiert wird und verschwindet.
Sehr wichtig wäre, das Schulgelände so schnell wie möglich einzuzäunen, damit die Pumpe montiert werden kann. Auch ist es nötig, für so viele Schüler umgehend ein zweites Schulgebäude wie geplant zu erstellen. Die unentgeltliche Abgabe von Schulbüchern und Schulmaterial müsste in einem weiteren Schritt geplant werden. Als dringend erachte ich auch die Abgabe einer Reismahlzeit am Mittag für alle Schüler, damit sie wenigstens einmal pro Tag eine ausreichende, warme Mahlzeit zu sich nehmen können. Unter Mitwirkung der Eltern, sprich Mütter, könnte sicher eine gut funktionierende Schulküche organisiert werden.
Ich bewundere die engagierte Arbeit von Klaus „Nick“ Blume und seinem EPT-Team und hoffe, dass mein Erfahrungsbericht mithilft, neue Sponsoren zu finden, damit immer mehr Kinder armer Eltern in Tamatave die Möglichkeit eines Schulbesuches erhalten. Nur Bildung macht es möglich, dass sie später ein erfolgversprechendes, glückliches Leben führen können. Es gibt zu viele Kinder in Madagaskar, die zum Überleben stehlen und betteln müssen. Helfen wir also mit, dass die erschreckende Zahl von 80 % Kindern, die keine Schule besuchen können, stetig weniger wird, auch wenn „Zara Riftra“ auf den ersten Blick nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist.
Arbeiten, die möglichst schnell in Angriff genommen werden sollten:
wie: Einzäunung des Schulgeländes - Stromversorgung mit Sonnenkollektoren- Fertigstellung der Wasserpumpe - Material für Fussball- und Basketballspiel- Bau eines zweiten Schulgebäudes - 1 Musikanlage mit CD-Player pro Zimmer- Abgabe von Schulbüchern und –material - 1 PC mit Monitor pro Zimmer. Die Geräte müssen nicht neu sein. Bei uns wird ja so viel weggeschmissen, das noch einwandfrei funktioniert, da uns die Werbung vorgaukelt, nur das neueste Gerät sei gut genug.
- Schulküche mit Essensabgabe
Ich wünsche allen Beteiligten an diesem Projekt und vor allem dir, Nick, viel Erfolg und Ausdauer bei eurer gemeinnützigen Arbeit zum Wohle der ärmsten Bevölkerungsschicht Madagaskars. Bringen wir mit unserem Einsatz und unseren Spenden die Augen der Kinder wieder zum Leuchten.
Erwin Schmid, im Januar 2012
erwinschmid@bluewin.ch
Massagesessel Besitzer (Dienstag, 31 Januar 2012 14:23)
Eine wirklich wunderschön gestaltete Seite. Hier muss ein Meister seines Fachs am Werk gewesen sein.
Marderabwehr24 (Samstag, 04 Februar 2012 22:18)
Hallo,
tolle Seite, schön gemacht.
Würde mich auch über einen Eintrag auf meiner Seite freuen.
Gruß aus München